
Der deutsche Rechtschreib-Hauptberufler Hans Zehetmair übt Kritik am Sprachgebrauch der Jugend. Durch SMS, Twitter und Co. ginge die deutsche Sprache immer mehr ein. Er fürchtet, dass durch abgekürzte und rapide Kommunikation Gefühle auf der Strecke bleiben. Ist handgeschriebener Briefverkehr näher an menschlichen Emotionen als die alltägliche SMS?
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Ist abgekürzte Sprache weniger emotional? Bild: CC flickr jimcullenaus
Das Alarmsignal des Rechtschreibfachmanns Hans Zehemtmair schlug vielerorts mediale Wellen. Medien, die die Meinung Hans Zehetmairs widergaben, ohne konkret auf Gegenargumente deutscher Sprachwissenschaftler hinzuweisen, fütterten die Digital-Angst der undigitalen Generation. Außerdem wirft die Meldung einen weiteren Stein auf die Waage namens Jugend-Bach-hinunter/Früher-alles-besser. Die Wiener Zeitung zitiert den Essener Sprachforscher Karl-Dieter Bünting: “Eine SMS ist näher am Menschlichen, durch ihre Lockerheit hat sie ganz andere emotionale Qualitäten als ein Brief”.
Zehetmair: sprachbewusst oder einfach konservativ?
Hans Zehetmair ist ein christlich-konservativer Politiker aus Bayern. Er feierte heuer seinen 76. Geburtstag, was den ehemaligen Kultusminister nicht von der Amtsinhabe Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung (RDS, rechtschreibrat.com) abhält. Seit dem Frühling 2011 befindet er sich in zweiter Amtszeit. Was Hans Zehetmair in seiner Befürchtung, dass Deutsch durch SMS, Twitter & Co. zur Recycling-Sprache würde, nicht betont: Es ist nicht die Jugend Schuld. Beispiel Anglizismen: Die offene Tür, die fremden Wörtern Einlass in die deutsche Sprache tummelt sich nicht unter der Jugend – sie befindet sich vielmehr in den Marketingabteilungen werbeeinfriger Konzerne.
Sprachpflege: Ein Tropfen auf den heißen Stein
Abgesehen von inhaltlichen Inputs an die Medien und die Gesellschaft hält sich die Funktion von Sprachpflege-Gremien wie dem RDS unter Hans Zehetmair in Grenzen. Sprache befindet sich in ständigem Wandel, der aber erst auf längere Sicht erkennbar wird. Bei linguistischen Innovationen wie der Übernahme von Ausdrücken aus anderen Sprachen – prominentes Beispiel: Englische Wörter ins Deutsche – schlagen selbsternannte Sprachpfleger gerne Alarm. Die unkontrollierbare sprachliche Entwicklung innerhalb eines Sprachraums ist wie ein heißer Stein – und Sprachpflege ein Tropfen.
Website mit 100% deutschen Wörtern
Fundamentalistischere Ansichten als der RDS vertritt zum Beispiel der Verein Deutsche Sprache, e. v. Der Sprachschutzverein mit Sitz in Dortmund lehnt beim Thema Anglizismen “Prahlwörter wie event, highlight, shooting star, outfit, mit denen gewöhnliche Dinge zur großartigen Sache hochgejubelt werden,” ab. Das Projekt “Anglizismenindex” des Vereins besteht aus dem Finden deutscher Wörter für Anglizismen, die oft auch viel genauer als ihre englischen Verdränger sind. Der Internetauftritt des Vereins lässt lange bis ewig nach englischen Wörtern suchen, denn diese werden dort vermieden.
Fazit:
Was den Versuch von Sprachpflegern angeht, den Sprachwandel in Form von Warnungen und Regeln zu lenken oder zu stoppen – das erleben wir nicht mehr. Wie anderswo im Leben gilt: Einfluss gelingt, wenn das Angestrebte zur Mode wird, nicht zur Regel.

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