
Oft heißt es, wer Schwedisch spricht, kann auch mit Norwegern und Dänen kommunizieren. Dieselbe Aussage generalisiert: Wer eine skandinavische Sprache spricht, hat Zugang zum gesamten Sprachraum Schweden-Norwegen-Dänemark. Doch handelt es sich bei der Verwandtheit dieser drei Sprachen wirklich um einen Zahl-Eins-Nimm-Drei-Lernbonus?
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Wer Muttersprachler einer skandinavischen Sprache ist oder sich der nicht allzu schweren Aufgabe stellt, sich eine davon als Fremdsprache anzueigenen, merkt schnell: Mögen die Völker sportlich-kulturell noch so verfeindet sein und über die Existenz der anderen zwei chronisch hinwegsehen, am gegenseitigen Verständnis kann’s nicht liegen. Geht ein Norweger nach Schweden, kann er getrost seine Sprache – sogar seinen Dialekt – sprechen und der Schwede wird ihn verstehen. Auch Schweden, die Arbeit in Norwegen finden, scheren sich nicht, sprachlich umzudenken. Für Dänen und ihr Land gilt dasselbe. Man braucht sich im Norden selten sprachlich anzupassen, auch wenn viele tausend Reisekilometer hinter einem liegen. Es ist, wie wenn ein Deutscher nach Tirol Schifahren fährt. Voller Stolz lässt er seinen Heimdialekt erschallen. Obwohl sich der Tiroler Schihüttenbesitzer dann schon mehr Gedanken über das korrekte Verständnis seitens seines Gesprächspartners machen muss, pflegt auch dieser diese Taktik.
Holprig kann es natürlich trotzdem werden. Ein Schwede hat mir in Norwegen von einigen Wörtern erzählt, die – identisch ausgesprochen – in seinem Heimat- und Gastland völlig verschiedene Bedeutungen haben. So kann Mädchen schnell wie Prostituiere klingen. Solche Missverständnisse sind aber unvermeidbar, vergleiche die britische und US-amerikanische Bedeutung von fag (einerseits ist es eine Kippe, andererseits abwertend für einen Homosexuellen).
Der dialektale Flow im hohen Norden Europas ist im Alltagsleben für viele nützlich und amüsant. Die drei Länder (Island ist als viertes Land linguistisch etwas zu weit entfernt) können wie der Deutsche Sprachraum Deutschland-Schweiz-Liechtenstein-Österreich als ein Dialektkontinuum angesehen werden. Im Falle Deutsch dient Letzteres zur Zusammenfassung (der DACH-Sprachraum), im Falle Skandinaviens aber mehr zur Unterscheidung. Beim Sprachenlernen erkennt man schnell: politische Grenzen sind absolut nebensächlich. Der in Russland geborene Sprachwissenschaftler Max Weinreich, der zu Sigmund Freuds Zeiten lebte und sich auf die Sprache Jiddisch spezialisierte, sagte einst:
Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und einer Marine (A shprakh iz a dialekt mit an armey un flot)
Die nordischen Länder, Finnland nun mitgezählt, prägt ein gewisser Gemeinschaftssinn, zu dem ihnen nicht zuletzt ihr staatspolitischer Erfolg im sozialen Bereich verhilft. Wenn es unter den Länderbrüdern jedoch einen Cousin gibt, von dem nie gesprochen wird, ist es Finnland. Auf dem Bild ist anhand der Dicke der Wörterbücher (Ausgangssprache Norwegisch) die ausschlaggebende sprachliche Distanz der Sprachen Norwegisch und Schwedisch zum Finnischen zu sehen. Sogar Chinesisch ist simpler.
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Titelbild: Schwedische Reklame in Kiruna. © David Diem


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Servus, ich bin David und habe idiomator.at 2009 gegründet. Schreib mir gern per Kommentar oder an dd

Ich hab gehört auf norwegisch gibts sehr viele Wörter für Schnee, wenn das stimmt wünsch ich mir einen Artikel darüber :DD
Shady
10 Dez 11 at 01:22
Hier dein Artikel, Shady!
http://www.idiomator.at/2011/12/17/viele-woerter-…
burlupar
19 Dez 11 at 13:49